Eine besondere Geschichte in besonderen Zeiten

Es sind wahrlich besondere Zeiten! Vieles ist anders geworden als es vorher war, für manche ist das schwerer zu ertragen, für manche etwas leichter. Aber wenn wir zusammenhalten, wenn wir uns gegenseitig helfen, dann stehen wir es gemeinsam durch und kommen am Ende vielleicht sogar ein wenig gestärkter dabei heraus.

Das sind Gedanken, die für den momentan so sehr coronageprägten Alltag gelten, aber auch für eine ganz besondere Geschichte, die sich in unserer Fechtabteilung ereignet.

Mittlerweile seit Oktober 2018 gibt es als festen Bestandteil des Trainingsprogramms unser Fechten Inklusiv beim TSV Trudering. Fast zeitgleich zum Start des anfangs als Versuch begonnenen Pilotprojekts kam Hüseyin Gasimov als Mitglied zu uns. Seitdem trainiert er im Rahmen des Kooperationsprogramms des TSV Trudering e.V. mit dem Fechtclub München e.V. und dem Fechtclub Gröbenzell e.V. regelmäßig und unermüdlich mit unseren Trainern Jürgen und Dominik die Waffengattungen Degen und Säbel, unterstützt von Tim Bauer vom KTF Luitpold e.V.

Hüseyin ist ein besonderer Fechter. Nicht, weil er seit mehr als 10 Jahren querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt, seit er als 17jähriger einen beinahe tödlichen Verkehrsunfall knapp überlebte, auch nicht, weil das zu einem Zeitpunkt in seinem Leben passierte, als er als aussichtsreicher Boxer und Landesjugendmeister für die Teilnahme an den olympischen Spielen 2012 in London trainierte. Besonders ist er als Fechter auch nicht, weil er 2015 aus seiner Heimat Aserbeidschan flüchtete, um seinem zerstörten Körper mithilfe unserer medizinischen Möglichkeiten hier in Deutschland eine kleine Überlebensperspektive zu geben.

Hüseyin ist ein besonderer Fechter, weil er 16 Monate nach Beginn eines für ihn komplett neuen Sports, dem Fechtsport, an den Deutschen Meisterschaften im Rollstuhlfechten Anfang März in Böblingen teilgenommen und sich dabei sogar einen Podestplatz erkämpft hat! Im Degen Wettbewerb erreichte Hüseyin Gasimov am 08. März den 3. Platz nach einer Niederlage im Halbfinale gegen Balwinder Cheema aus dem Rollstuhlfechtteam Deutschland, einem Gegner, der bereits 2016 erfolgreich an den Paralympischen Spielen in Rio teilgenommen hat. Der Bundestrainer der Deutschen Rollstuhlfechter war von Hüseyins Talent so überzeugt, dass er ihn im Anschluss zu einem Lehrgang mit dem Paralympischen Deutschen Nationalteam im Mai 2020 eingeladen hat.

GRATULATION Hüseyin! GRATULATION auch an alle Trainer!

Die Tatsache, dass unser Athlet am Vortag im Säbel Wettbewerb vermutlich einen Weltrekord erreicht hat, sei auch noch erwähnt: er begann 15 Mal hintereinander zu früh das Gefecht, noch bevor der Kampfrichter sein Startkommando gegeben hatte, gleichbedeutend mit 15 roten Karten, gleichbedeutend mit 15 Straftreffern, gleichbedeutend mit dem Verpassen des Einzugs ins Halbfinale (für die Nichtfechter zum Verständnis: das wären beim Fußball 15 Eigentore, am Stück...). Sein Trainer Jürgen ist an diesem Samstag nach eigener Aussage um rund fünf Jahre gealtert, für Hüseyin wurde es im Säbel dann noch der 5. Platz und vermutlich war es die genau nötige Feuerprobe bei der ersten DM seines Lebens, um tags darauf die Bronzemedaille zu holen!

Verlieren wir also in schlimmen Zeiten niemals den Mut, lasst uns das Beste aus dem Schlimmen machen, indem wir uns auf neue Wege trauen, um mit der Hilfe von anderen die Lebenssituation zu meistern und gemeinsam zu verbessern, - manchmal sogar mit einem Erfolgserlebnis!

Unter https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-hueseyin-gasimov-fechten-rollstuhl-
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gibt es einen ganzseitigen Artikel zu Hüseyin Gasimov.

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